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Er ist in seinem Zimmer, ein kleines Zimmer, nicht vernachlässigt, aber sichtbar, dass er alleine dort wohnt, mit Stereoanlage, Fernseher, Sofa, Tisch, Pult, einem Stuhl, einem Poster an der Wand, die Küche ist separat durch eine Tür erreichbar. Alles funktionell eingerichtet, aber billige, neuere Möbel. Er schaut gerade in den Spiegel, betrachtet sich eitel im Rhythmus der Musik, geht dann die Stereoanlage ausschalten und wendet sich grossspurig dem Publikum zu.

 

Meine Damen und Herren. Um es geradeheraus zu sagen: Ich bin ein Frauenheld. Und ich fühle mich super dabei. Die Frauen können mir, ob sie wollen oder nicht, einfach nicht widerstehen. Seien es Hausfrauen oder Sekretärinnen, Krankenschwestern oder Zahnarztgehilfinnen, auch Verkäuferinnen und Kosmetikerinnen, einfach alles. Sogar Direktorinnen und Ärztinnen sowie Zoologinnen und Historikerinnen, auch Models oder gar Sängerinnen, ja, auch Stars, keine kann mir widerstehen. Frauen aus allen sozialen Schichten und Berufen. Und es ist nicht etwa nur mein Äusseres, meine Physis, der sie unterliegen, obwohl dies sicher eine der Hauptursachen meiner grossen Anziehungskraft ist. Nein, es ist mehr: Es ist meine Aura, es ist eine gewisse Vibration, die von mir ausgeht. Ja, ich darf von mir behaupten: Ich bin ein Don Juan. Die Frauen kommen ganz einfach, ohne mein eigenes Zutun, zu mir. Werden mir quasi zugespielt vom Schicksal. Wenn mich eine sieht, die mir gefällt, so kommt sie ganz automatisch angeschwirrt. Quasi auf ein Zeichen von mir. Jetzt aber nicht auf ein sichtbares Zeichen, sondern auf ein unbewusstes Signal, das ich aussende, so etwas wie ein Paarungssignal, wie ein Lockruf bei den Fröschen zum Beispiel. Nicht dass ich etwa quaken würde, nein, das nicht, aber ich habe die Fähigkeit, diese Signale auf der unbewussten, nonverbalen Ebene zu senden. Im Äther. Manchmal klappt's nicht auf Anhieb, das muss ich zugeben, dann probiere ich es noch einmal, schliesslich: Nobody is perfect. Oder ich helfe ein bisschen nach. Mit einem Augenzwinkern. Nur schnell und kurz mal angetippt, so mit dem linken Auge, nicht auffällig, so dass man, oder besser gesagt: so dass frau es zwar sieht, jedoch mehr spürt als sieht. Funktioniert praktisch immer. Ich meine, wenn eine nicht die Fähigkeit hat, unbewusste Signale, sexuelle Lockrufe, also wenn eine nicht in der Lage ist, diese Signale aufzuschnappen oder die verschlüsselten Symbole zu entziffern, dann bleibt mir wohl nichts anderes mehr übrig, als ihr ein bisschen nachzuhelfen. Ist doch wohl noch erlaubt. Schliesslich kann sie ja vielleicht gar nichts dafür, dass sie nicht so sensibel ist. Und manche wissen ja gar nicht, dass es solche unbewussten Signale, solche sexuellen Lockrufe auf der unbewussten Ebene überhaupt gibt. Da kann ich ja nicht zuerst zu ihr hingehen und sie darüber aufklären und ihr noch einen Schnellkurs in Sachen unbewusste Signale auf der sexuellen Ebene geben. Nein, dazu reicht die Zeit ja meistens nicht aus. Und vielleicht wäre sie auch noch beleidigt. Das muss man dann verstehen. Niemand lässt sich gern ertappen, und niemand hört es gern, dass er beziehungsweise sie nicht ganz auf der Höhe ist, dass sie nicht ganz mitkommt, dass sie sozusagen nicht alle Tassen im Schrank hat. Wer hört denn so was schon gern. Nein, da muss man etwas behutsamer vorgehen. Ich mach das viel schlauer und viel unkomplizierter. Ich zwinkere ihr einfach ein bisschen zu. So. Sehen Sie. Das ist doch nicht übertrieben, oder? Kleine Ursache, grosse Wirkung. So. Mehr wäre aufdringlich. Zwinkern. Ihnen dadurch auf die Sprünge helfen. Nur schon dieses Zwinkern ist doch ziemlich unwiderstehlich. Müssen Sie doch zugeben. Beinahe selber schon ein Lockruf. Auf der Ebene der Mimik jetzt. Auch das gibt's. Danach ist alles nur noch ein Kinderspiel.

 ........ Fortsetzung im Buch .....

 

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